Sünde



Pater Kunibert hatte sie wieder besucht.
Magdalene war einfach entzückt. Mindestens einmal in der Woche kam er zu Kaffee und Kuchen zu ihr. Er liebte ihren Bienenstich und den backte sie ihm fleißig. Sie lächelte.
Pater Kunibert war ein schöner Mann, und er hatte viele Schäflein, aber er kam zu ihr. Sie wusste, es war eine Sünde, so etwas zu denken! Sie senkte den Kopf.
„Ich bin eingebildet“, dachte sie, „aber er kommt zu mir! Nicht zu den Jungen und Hübschen, denen, die auf mich herabschauen!“

Magdalene war 48 und das was man eine alte Jungfer nannte, aber sie war stolz darauf.
„Wissen Sie, Pater Kunibert“, hatte sie mit unverhohlener Selbstgefälligkeit gesagt, „wissen Sie, ich bin noch Jungfrau! Ich bin gewissermaßen so rein, wie eine Braut unseres Herrn!“
Und er hatte genickt – und einen Hustenanfall bekommen. Bestimmt hatte er ihren köstlichen Bienenstich zu schnell verschluckt.

Diese Hingabe an den Herrn war es wohl auch, die ihn immer wieder zu ihr führte - und der Bienenstich! Aber es war schon seltsam, wie er sie angesehen hatte, als sie ihm erzählte, dass sie nachts Pornofilme … Natürlich nur zu Studienzwecken. Schließlich musste man auch als Frau um die Verführungen des Satans wissen, um sie vermeiden zu können, denn das Böse schlief nie.

„Und was tun Sie dann?“, hatte er gefragt und in den Bienenstich gebissen. „Dabei? Oder auch – danach?“
Magdalene hatte ihn irritiert angesehen.
„Sie meinen doch nicht …?“ Ihr Gesicht war ganz rot angelaufen vor Empörung. Sie war nicht von gestern. Sie wusste, was er dachte. Schande über ihn. In diesem Augenblick zweifelte sie, ob sie ihm jemals wieder einen Bienenstich backen könnte. Gleichzeitig aber wusste sie, sie würde es immer wieder tun. Er war der einzige Lichtblick in ihrem Leben. Der schöne Pater Kunibert!

Also beeilte sie sich, ihm zu versichern, dass sie noch niemals der Versuchung erlegen war. Sie war so rein wie das Blütenblatt einer weißen Rose!
„Erstaunlich!“, flüsterte er. „Erstaunlich und sehr, sehr … bewundernswert, meine Liebe!“
„Ja, gewiss!“, verkündetet sie stolz und richtete sich auf. Sie war besser als die andern! Dann senkte sie den Kopf und gestand: „Manchmal bin ich allerdings … ein ganz klein wenig hochmütig! Glauben Sie, Pater Kunibert, glauben Sie, der Herr wird mir vergeben?“

Pater Kunibert lächelte nachsichtig und biss in sein drittes Stück Bienenstich. „Natürlich, meine Liebste, Sie sind doch bestimmt eines seiner Lieblingsschäfchen!“
Dieser Satz ließ Magdalene aufhorchen. Sie saß noch aufrechter und strahlte.
„Meine Liebste!“, hatte er gesagt, und „Lieblingsschäfchen!“
Es war nicht nur der Bienenstich, der ihn zu ihr zog, da war sie auf einmal sehr sicher. Es war Liebe! Reine Liebe! Sie schwebte auf Wolke sieben! Auch noch, als er längst wieder fort war. Auch noch als sie - zu Studienzwecken – zusah, wie nackte Leiber Unsägliches taten.

Schande über sie! Was hatte sie für sündige Gedanken und alle betrafen sie Pater Kunibert. Sie musste sich reinigen. Schließlich war sie ein blütenweißes Sternenkind des Herrn. Magdalene eilte ins Bad. Sie wusste was zu tun war, denn sie reinigte sich oft. Sie musste diese schändliche Lüsternheit loswerden. Also zog sie sich nackt aus. Es war kühl in ihrem Badezimmer. Der eisige Hauch ließ sie schaudern. Gut! Das war ihre Strafe. Ihre Brustwarzen standen steif!
Magdalene griff zu Kernseife und Bürste und schrubbte Hände und Fingernägel. Danach stieg sie in die Wanne und setzte sich mit gespreizten Schenkeln auf den Wannenrand. Nun griff sie zu Duschkopf und Seife, und dann "wusch" sie sich. Tief und tiefer wusch sie die sündige Lust aus sich heraus, solange bis sie zuckend und stöhnend zusammenbrach.

Das war die Strafe für ihre Sünde!

© Anna