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Klick ... (2009)

verfasst von ErisProphet(R), 31.03.2009, 02:01

Ich klicke. Wo, beim Heiligen Alan, bin ich denn da gelandet? Eine Pornoseite?

Die nervigen Ani-GIFs, die Flash-Filmchen und vorallem die biederen Hausfrauen, die sich angestrengt bemühen, nach "Teeny, geil" auszusehen, fehlen. Stattdessen die Zeichnung einer ... tja ... Dame? Jedenfalls die Ausstrahlung von jemandem, dem ich Feuer reichen würde. Oder in den Mantel helfen. Oder aus dem Mantel helfen. Sie guckt irgendwie traurig. Nachdenklich. Prompt laufen ein halbes Dutzend Filme in meinem Kopf gleichzeitig an. Egal. Mir gefallen ihre Haare. Mir gefällt ihr Kleid. Ihre Brüste sind mir ein wenig groß. Egal ... sie ist das hübscheste Ereignis des heutigen Tages.

Mit einem Schmunzeln klicke ich weiter. Die übliche Altersweiche. Üblich? Wieder fehlen "nackte Tatsachen". Wieder Zeichnungen, Andeutungen, leises Wispern. Keine Anmache, keine Animation -- so etwas wie Verheißung, Verführung.

"Mensch, Arne!" fluche ich und krame eine Kippe hervor. "This is the Internet, where man are man, women are man and horny 13-year olds are FBI-agents. Hier gibt's jede erdenkliche Perversion, aber das, was du suchst ... das musst du schon selbst machen." Ich grinse den Monitor an. Ich mach's ja selbst, oder? Wieder fliegt mein Blick über die zart schattierten Zeichnungen. Folgt den Kurven, verliert sich in den Gesichtern, den Gliedern, den Körpern. Eine Erinnerung zuckt durch mein Hirn. Damals, Ende der 70-er Jahre ...

***

Wir waren zu dritt in ein kleines, schmieriges Kino gegangen. Wir waren 18 und wir wollten endlich einen sogenannten "Sexfilm" sehen. Der Eintrittspreis war unverschämt. Das Bier war lauwarm, schlecht und völlig überteuert. Der Film ... Ich starrte. Nicht vor Erregung. Vor Entsetzen. Vor amüsiertem Entsetzen. Da kniete eine Frau in -- bzw. eher ohne -- bayrischem Dirndl auf einer Wiese und wurde von hinten von einem Typen in Lederhose ... tja ... gestoßen. Ein anderes Wort passt nicht. Ihre großen Brüste wackelten wie die bekannte -- und durchaus wohlschmeckende -- Süßspeise. Aus den Lautsprechern ѕtöhnte es im Takt der "Lustigen Holzhackerbuam", gelegentlich von Dialogen wie "Besorg's mir!" oder "Ist das geil!" überlagert. Das war also Sex. Dieses angeblich so wundervolle Zeug, von dem jeder quasselte. Nein danke. Nichts für den Sohn meiner Mutter. Nach einer halben Stunde liess ich meine völlig weggedrehten Kameraden alleine und ging in unsere Stammkneipe.

"Ein Bier und ... ein Doktor", bestellte ich. "Bier kommt, Schnaps gibt's nicht." Irene, die Besitzerin und Bedienung, hatte für uns Jungs ihre eigenen Regeln. "He! Ich bin 18!" -- "Und siehst nicht so aus, als ob du 'n Schnaps verträgst." Irene stellte ein großes Bier vor mich und sah mich scharf an. "Probleme?" -- "Nö. Mir geht's gut. Ich bin eher amüsiert über die Dummheit der Welt." -- "Das bist du für dein Alter viel zu oft, Arne." Ich zuckte die Achseln, trank einen großen Schluck und sah Irene an. Sie war ja oft genug unsere Beichtmutter und hatte den geflüsterten Weisheiten von Pausenhof, Sportplatz und Bubentoilette nach eine ... "Vergangenheit". "Ich war mit ein paar Jungs im Kino. Wir haben da 'n Sexfilm geguckt." Irene verdrehte die Augen. "Jetzt überlege ich, ob ich katholisch werde und einen auf Priester mache." -- "So schlimm?" -- "Schlimmer. Entweder bin ich komplett verrückt oder ... ich kapiere nicht, wie irgendwer sowas erregend finden kann." Sie nickte, zapfte ein paar Biere, sprach hier mit einem Gast, wies da einen Bekannten zurecht. Dann stand sie wieder vor mir in ihrem etwas zu engen roten Kleid. "Pass mal auf, Arne. Du ißt gerne." -- "Was hat das denn damit zu tun?" -- "Antworte einfach." -- "Ja, klar. He, ich bin im Wachstum!" -- "Gut. Würdest du bei Freddy was essen?" Eine Wurstbude um die Ecke. Ich schüttelte mich. "Nicht in diesem Leben!" -- "Warum?" -- "Na, schmierig, dreckig ... das Zeug krabbelt ja schon." -- "Gut. Das ist dieser Porno, den du gesehen hast. Weil du einen Porno gesehen hast, willst du gleich den ganzen Sex wegwerfen. Das ist, als wolltest du nichts mehr essen, weil dein erstes Essen die Wurst von Freddy war." Mich schüttelte es wieder und ich spülte den üblen Geschmack mit einem großen Schluck Bier herunter. Irene legte mir eine Hand -- schmal, fast zierlich und doch kraftvoll -- auf den Arm. "18 bist du ..." Dann, im Kommandoton: "Trink nicht soviel!" Ich grinste sie an und verbeugte mich mit leichtem Spott. "As you command, my Lady" Ein Lächeln zuckte über Irenes Gesicht. "As I command, squire." Ich blickte sie mit großen Augen an. "Du hast nicht gedacht, dass ich Englisch kann, hm?" Sie wuschelte mir die Haare. "Du hast keine Ahnung, was ich alles kann." Und weg war sie, andere Gäste bedienen. Ein sehr nachdenklicher Arne blieb zurück.

***

Wie immer, wenn ich an diesen Tag denke, grinse ich wie ein Honigkuchenpferd. "Schon volljährig?" fragt diese Website. Na, ich bin ja nicht mehr 18. Ich bin 50. Aber volljährig? Im Sinn von ernsthaft, verantwortungsvoll und nicht mehr aktiv lebend? Bah. Trotzdem klicke ich. Ein kurzes Intermezzo genervter Frustration, bis ich die Navigation der Site verstehe. Dann will ich mir das Menü dieser ... Wurstbude doch mal zu Gemüte führen. "Frigides Miststück"... Hm. Ich wappne mich innerlich und klicke. Fange zu lesen an. Nach ein paar Minuten blicke ich vom Bildschirm weg. Starre blicklos vor Wut in mein Zimmer. Was war das denn? Gefühle? Schmerz? Frustration? Und das auf einer ... ich zögere vor dem Wort. Ich mag Pornographie. Wirklich. Leider gibt's nur so viel grottenschlechte und so wenig ... hm ... wohlschmeckende. Trotzdem will ich das Wort "Pornoseite" hier nicht mehr benutzen. Es ist zu sehr ... Freddy und wo auch immer ich hier gelandet bin ... Freddys Wurstbude ist es jedenfalls nicht. Ich blicke wieder auf den Text. Fühle wieder den Zorn in mir. Oh, wie gerne hätte ich dieses Arschloch jetzt vor mir gehabt. Oder besser ... unter mir. "Tom of Finland, Schätzchen" knurrte ich den namenlosen Protagonisten an. Ich weiß in dem Moment, dass ich etwas gefunden hatte. Etwas, das ich lange gesucht habe. Ich rede ja öfter mit Büchern, mit Texten. Ich kann nicht ins Kino gehen, weil ich anfange mit dem Film zu brabbeln. Doch nur, ausschließlich, wenn mich die dargebotene Geschichte mitnimmt. Mich einlädt. Sich mit mir teilt. Dem Text hier halte ich Vorträge. Bis zum entscheidenden, bis zum 20. Treffen. Da schweige ich. Lese gierig weiter. Begierig. Spüre Zögern und Verlangen, Scham und Lust. Am Ende sind meine Augen feucht. JA! So muss das sein. Das ist ... Sex? Liebe? Erotik? Pornographie? Ich schubse all die Kategorien in meine innere Mülltonne. Die Geschichte ist ... richtig so. Rund wie ein hübscher Hintern. Stimmig wie passende Kleidung. Bittersüß. So hat es zu sein, wenn Lust auf Lust treffen. So ist es eine wundervolle Einführung in diese Welt der ... Sinne. Unwillkürlich kommt mir wieder die Erinnerung ...

***

Ich hatte zwei oder drei Runden Billard verloren, einem der älteren Gäste zugehört, wie er gerade den 2. Weltkrieg einhändig gewann und war grinsend den Streitgespräch zweier Kommunalpolitiker gefolgt. Da stand Irene wieder neben mir. "Is' gleich Feierabend", meinte sie und stellte mir ein weiteres Bier hin. "Äh, Irene ... ich wollte eigentlich keins mehr. Ich bin ... hm ..." Sie lächelte. "Schon gut, Arne. Geht auf's Haus." Kurzes Zögern. "Sag mal, was isst du eigentlich am Liebsten?" Mir fiel unser Gepräch wieder ein und ich grinste. "Normales Essen, so wie Mama kocht. Nix Außergewöhnliches." -- "Bratkartoffel?" Meine Augen wurden groß. "Mit Schnittlauchsalat!" -- "Und Eiersauce." Mein Magen knurrte laut. Irene lachte auf und drückte mich am Oberarm. "Dann husch mal in die Küche! Ich hab' auch Hunger und alleine essen ist öde." Ich nickte zustimmend. "Du kannst schonmal Kartoffeln schälen, Eier kochen und so." Ich nickte und huschte in die Küche.

Eine gute Stunde später saßen wir gesättigt in der kleinen Küche und tranken Kaffee. Irene war schweigsam. Während des Essens hatte sie mir immer wieder prüfende Blicke zugeworfen. Ich hatte auch ... geguckt. Ihren großen Busen. Den Schwung der Hüfte. Die Linievon ihrem Hals zum Schlüsselbein ... "Was denkst du, wenn du mich so ansiehst?" Irene hörte sich seltsam an. Weich. Irgendwie verletzlich. In meinem Inneren flammte kurz und heftig etwas auf. Ich sah ihr ins Gesicht. Große, dunkle Augen. Eine kleine Nase. "Du bist schön." Kaum waren mir die Worte entschlüpft, wurde ich knallrot. Stotternd wollte ich meine unverfrorene, unwillkürliche Aussage ungeschehen machen. Irene legte lächelnd einen Finger auf ihre Lippen. "Mein Kleid ist ein bisschen eng." -- "Ja. Nein. Ich meine ... äh ... es ist wie so ein Klacks Senf an der Eiersauce." Mit einer Kopfbewegung deutete ich auf die leeren Teller und Schüsseln. "Ach?" Kokett legte Irene den Kopf schief. "Und wie ist er? Der Klacks Senf?" In meinem Kopf drehten sich alle möglichen Worte umeinander. Eins stand ruhig und leuchtend im Zentrum. "Scharf." wisperte ich. Sie stand auf, kam zu mir und ging neben meinem Stuhl in die Knie. "Du findest mein Kleid also scharf?" Was machten ihre Hände auf meinen Armen? Auf meinen Schenkeln? Warum raste mein Herz? Warum bekam ich kaum mehr Luft? Ich konzentrierte mich. Schüttelte den Kopf. "Du bist die Eiersauce, Irene. Das Kleid ist der Senf. Der Senf macht die Sauce scharf. Du bist ..." Ich schluckte. Mein Gesicht brannte. Ich schwitzte. Meine Hose war mindestens drei Nummern zu eng. "Sag es bitte." -- "Du bist scharf, Irene."brachte ich mit einiger Mühe hervor. Sie beugte sich vor und küsste mich. Mitten ins Gesicht. Mitten auf den Mund. Dann hockte sie sich auf meinen Schoß und legte mir die Arme um die Schultern. Ich zögerte, fühlte ein innerliches Zerren und Ziehen und ließ meine Arme um ihre gut gepolsterte Taille gleiten. Der Stoff ihres Kleides knisterte. Weiches, warmes Fleisch, nur vom etwas Stoff getrennt, unter meinen Händen. Mein Mund war staubtrocken. Irene streichelte sanft meine Schläfen. "Hast du schonmal ein Mädchen geküsst?" -- "Nicht wirklich. Nicht richtig." Ich zögerte. Offenbarte mich: "Das artet immer in eine Schleckerei aus, dass ich mir am Schluss wie'n Hund vorkomme." Irene lachte leise. Ihre Finger waren an meinen Ohren angelangt. Meine Hände strichen leicht über ihren Rücken. Meine Finger drücken und kribbelten mal hier und da. Massierten sacht Irenes Wirbelsäule. Irene leckte sich blitzschnell über die Lippen. "Wie würdest du denn ein Mädchen küssen wollen?" Gute Frage. Ich ließ meine Hände höher gleiten, bis unterhalb von Irenes Schulterblättern lagen. Mit den Daumen streichelte ich sie. Und jetzt? Vorsichtig näherte ich meine Lippen den ihren. Erstmal mitten auf den Mund. Aber nicht fest. Gerade so berühren. Dann etwas fester auf die Unterlippe. Auf das Grübchen unterhalb der Lippe. Ich legte meine Hände in ihren Nacken. Küsste ihre Nasenspitze. Knabberte an den Nasenflügeln. Da hielten mich ihre Hände eisern fest. Sie rückte ein wenig ab, blickte mich ernst an. Dann küsste sie mich auf den Mund. Lippen auf Lippen. Eine sachte Berührung. Ich keuchte auf, als ihre Zunge sanft und fordernd und kreisend und stoßend in meinen Mund eindrang. Antwortete ihr. Umkreiste ihre Zunge, berührte ihre Lippen, erforschte ihren Mund, streichelte ihren Nacken, ihre Ohren, ihren Hals. Fuhr mit meinen Fingerkuppen über ihre blossen Arme und wurde mit einer Gänsehaut und einem ... Bellen belohnt. Sie schob mich sanft weg. "Arne, willst du meine Brust anfassen?" Ich nickte stumm. Dann: "Ich will sie gerne küssen und streicheln und ..." Sie ließ ein tiefes Brummen hören. "Arne ..." Ein sehr, sehr ernster Blick. "Willst du ... heute Nacht ..." -- "Ja, Irene. Ja, meine Lady." Sie erhob sich, streckte mir eine Hand hin. Ich nahm ihre Hand, stand auf und ließ sacht einen Arm um ihre vollen Hüften gleiten. Dann löschten wir das Licht und verließen die Küche.

***

Ich tauche wie immer atemlos aus der Erinnerung auf. Traurig. Fröhlich. Erregt. Beruhigt. Ich lese noch die eine oder andere Geschichte auf dieser Website. Nicht zuviel heute. Morgen ist auch noch ein Tag. Eine Nacht. Doch ich weiss, dass ich mich bei den Autoren und Autorinnen dieser Geschichten bedanken will. Vielleicht schreibe ich ja selbst mal eine?

A.

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